Gruß aus Berlin

  •  

    März 2008
    M D M D F S S
        Apr »
     12
    3456789
    10111213141516
    17181920212223
    24252627282930
    31  
  • Archive

  • Haftungsausschluss

    Die in diesem Blog veröffentlichten Inhalte sind mit Sorgfalt recherchiert. Dennoch kann keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Aus der Nutzung dieser Informationen abgeleitete Haftungsansprüche sind ausgeschlossen. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
  • Bloggernetz - der deutschsprachige Pingdienst

Weblog-Archiv für 14. März 2008

Größenwahn in Marmor, Stahl und Beton

Verfasst von antiquar am 14.3.2008

Da dachte ich zunächst an das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Tatsächlich ging es in dem so überschriebenen Artikel der Berliner Morgenpost um eine Ausstellung über den von Hitler und Speer geplanten Umbau Berlins zur Reichshauptstadt „Germania“. Diese vom Verein Berliner Unterwelten ohne öffentliche Förderung erstellte Ausstellung eröffnet am kommenden Samstag in unmittelbarer Nähe des Holocaust-Mahnmals.

Ost-West-Achse

Jenes wiederum besteht aus einer unterirdischen Ausstellung im Ort der Information (2.116m², 10,3 Millionen Euro Bausumme aus dem Bundeshaushalt) und einem oberirdischen Stelenfeld (19.073m², 13,9 Millionen Euro Bausumme aus dem Bundeshaushalt). Als ich dort war wurde das Stelenfeld als Abenteuerspielplatz genutzt, die Benutzerordnung hatte wohl niemand gelesen. Der Architekt Peter Eisenman erläuterte sein Projekt 1998: „Ausmaß und Maßstab des Holocaust machen jeden Versuch, ihn mit traditionellen Mitteln zu repräsentieren, unweigerlich zu einem aussichtslosen Unterfangen. [...] Unser Denkmal versucht, eine neue Idee der Erinnerung zu entwickeln, die sich deutlich von Nostalgie unterscheidet. [...] Heute können wir die Vergangenheit nur durch eine Manifestation in der Gegenwart verstehen.“ Ach so. Jenseits des Stelenirrgartens befindet sich der Eingang zum Ort der Information. Der Besucher der bedrückenden Präsentation wird in der Lobby mit einem Zitat des Holocaust-Überlebenden Primo Levi empfangen: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Die Dokumentation des Mordens, des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte ist ein Baustein von vielen, die dazu beitragen können, eine Wiederholung zu verhindern.

Gleiches gilt für die gut besuchte Ausstellung Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße, wo sich bis 2004 drei weitere Stelen befanden: Die Treppenhäuser des geplanten Museums, welches das seit 1987 bestehende Provisorium ersetzen sollte. Auch diese Stelen kosteten Millionen öffentlicher Gelder, die man besser in politische Bildung investiert hätte als in monströse Projekte, die doch nie geeignet sind monströse Verbrechen zu erklären.

Hier noch eine Rechenaufgabe: Zeitzeugen, wahlweise Überlebende des Holocaust oder andere Opfer braunen oder roten Terrors gehen als Referenten in Schulen. Dabei erreicht einer an einem Schultag einhundert Schüler und erhält einhundert Euro als Aufwandsentschädigung. Wie viele Schüler erreicht man, wenn man 13,9 Millionen Euro statt für ein Stelenfeld für Aufwandsentschädigungen an Referenten ausgibt?

Veröffentlicht in Ausstellung, Denkmal | Verschlagwortet mit : , , , , | Kommentar schreiben »