Zug der Erinnerung in Berlin – leider auf dem Abstellgleis?
Verfasst von antiquar am 3.4.2008
Nachdem der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn die Ausstellung „Sonderzüge in den Tod“ erst nach langen öffentlichen Diskussionen und nach Intervention des Verkehrsministers Tiefensee auf die Bahnhöfe ließ, findet das Trauerspiel Erinnerungskultur der Deutschen Bahn eine Fortsetzung. Darüber berichtete gestern das abendschaublog. Wieder ist es eine private Initiative, die an die unter Beteiligung der Deutschen Reichsbahn verübten Verbrechen erinnert – und wieder versucht Hartmut Mehdorn mit allen Mitteln gegen die Aktion vorzugehen. Der gemeinnützige Verein Zug der Erinnerung wandte sich an das Bundesverkehrsministerium, mit der Bitte um Erlaß der anfallenden Kosten für die Nutzung der Bahn-Infrastruktur. Dieses lehnte unter Verweis auf die wirtschaftliche Eigenverantwortung der Bahn das Ansinnen ab, stellte jedoch Geld für den Aufenthalt des Zuges in Berlin zur Verfügung. Die Ablehnung ist verständlich, zuständig für eine solche Kostenbefreiung ist der Leistungserbringer Deutsche Bahn, nicht die Aufsichtsbehörde.
Seit dem 9. November 2007 ist der Zug unterwegs auf seiner Fahrt nach Auschwitz. Die Deutsche Bahn verlangt für die Nutzung von Schiene und Bahnhöfen ca. 3,50 Euro pro Kilometer, 5,- Euro für jede Stunde Standzeit und 450 Euro für jeden Ausstellungstag. Sie verweist auf die Rechtslage, die eine Gleichbehandlung aller Eisenbahnunternehmen vorschreibe. Da der Zug, bestehend aus einer Dampflok und zwei Ausstellungswagen, von einem anderen Unternehmen auf die Schiene gebracht wurde, ist die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben verpflichtet die Entgelte in Rechnung zu stellen. Mehrere Bundestagsabgeordnete aller Parteien appelierten an Bahnchef Mehdorn, die Kosten für den Ausstellungszug zu erheben und den Betrag anschließend zu spenden. Dieses Anliegen wurde von Otto Wiesheu (DB-Vorstand Wirtschaft und Politik) zurückgewiesen, man werde sich öffentlichem Druck nicht beugen.
Da die Reise des Zuges nicht verhindert werden kann, bemühen sich die Verantwortlichen der Bahn ihn zu behindern wo sie nur können. In Köln wurden die Standzeiten nicht verlängert, in Hamburg sollte die Dampflok aus Sicherheitsgründen nicht in den Bahnhof – dort scheint es keine Rangierloks zu geben. In Berlin wird die Nutzung des Hauptbahnhofs aus dem selben Grund verweigert, auch der Hauptdeportationsort Berlins, der Bahnhof Grunewald soll nicht angefahren werden. Aus der Sicht des Vorstandes Mehdorn ist ein solches Gedenken in der Form auch gar nicht nötig. So sagte er schon im Zusammenhang mit der Ausstellung Sonderzüge in den Tod dass dieses Thema nicht auf einen hektischen Bahnhof gehört. Außerdem habe die Bahn schon eine Dauerausstellung im DB Museum in Nürnberg.
Durch diese Posse sind sowohl der Zug der Erinnerung als auch die Bahn nun schon seit Wochen in der Presse präsent, was zumindest für die Ausstellung eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist. Aufgrund der Blockadehaltung der Bahn sind die folgenden Termine für den Berliner Aufenthalt nur unverbindlich, genaueres wird man der Tagespresse oder der Intenetseite des Zuges der Erinnerung entnehmen können.
Vom 13.-14. April im Hauptbahnhof
Vom 15.-16. April in Berlin Lichtenberg
Vom 17.-18. April in Berlin Schöneweide
Vom 19.-20. April in Berlin Westhafen/Putlitzbrücke
Vom 21.-22. April in Berlin Grunewald
Sollte es denn mit dem Besuch der Ausstellung nicht klappen, empfehle ich das Buch Mit der Reichsbahn in den Tod von Heiner Lichtenstein.