Deutsche Bahn will den Flughafen Tempelhof betreiben
Verfasst von antiquar am 5.4.2008
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, hat nach einem Artikel der Berliner Morgenpost bei mehr als einhundert in- und ausländischen Wirtschaftsführern für den Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof geworben. Die Bahn plant im Vorfeld des Volksentscheids am 27. April eine Kampagne zur Offenhaltung des Flughafens, für die sie um Unterstützung bittet.
Schon vor einigen Monaten hat der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit den Plänen der Deutschen Bahn, den Flughafen selbst zu betreiben, eine Absage erteilt. Nun erneuerte die Bahn ihr Angebot, gemeinsam mit den amerikanischen Investoren Ronald S. Lauder und Fred Langhammer den Flughafen zu übernehmen und ein internationales Gesundheitszentrum mit Landebahn zu schaffen. Nach Angaben von Wolf-Dieter Siebert, Generalbevollmächtigter und Experte für wichtige und dringende internationale Projekte der Deutschen Bahn AG, macht das die Bahn nicht aus unternehmerischen Gründen, sondern als Berliner Unternehmen. Vergessen ist inzwischen weitgehend, dass die Deutsche Bahn im November 2005 ein Angebot der Hansestadt Hamburg annehmen wollte, als Gegenleistung für die Beteiligung an der Hamburger Hochbahn und der Hamburger Hafengesellschaft die Konzernzentrale nach Hamburg zu verlegen. Erst der Bund als Eigentümer stoppte aus standortpolitischen Erwägungen diese Pläne des Berliner Unternehmers Mehdorn, Arbeitsplätze aus Berlin auszulagern.
Damals sagte Bundesverkehrsminister Tiefensee in Bezug auf die Hamburger Kaufabsichten, es passe in die Zukunftsstrategie, den Konzern als Mobilitäts- und Logistik-Dienstleister zu stärken. Eine Beteiligung der Bahn am Flughafen Tempelhof passt jedoch kaum in die Zukunftsstrategie der Länder Berlin, Brandenburg und des Bundes. Diese gaben im sogenannten Konsensbeschluß vom 26. Mai 1996 die Empfehlung, den Flughafen Schönefeld als einzigen Berliner Flughafen auszubauen und die anderen zu schließen. Vorgesehen war die Schließung des Flughafens Tempelhof zum Zeitpunkt des rechtskräftigen Planfeststellung. Der Flughafen Tegel ist nach diesem Beschluß, der zwischen dem damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), dem Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und dem Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann ausgehandelt wurde, spätestens bei Inbetriebnahme von BBI in Schönefeld zu schließen.
Die jetzigen Pläne der Bahn stoßen in Wirtschaft und Politik auf ein geteiltes Echo. Die von Bahnchef Mehdorn angeschriebenen Manager äußern überwiegend Unverständnis über die Schließungspläne. Der ehemalige Berliner Finanzsenator Klaus Riebschläger (SPD) und Friedbert Pflüger, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, halten nach Angaben der Berliner Morgenpost Tempelhof für den Erfolg des Flughafens Berlin Brandenburg International für wichtig. Senatssprecher Richard Meng kritisierte den Vorstandsvorsitzenden des Staatsunternehmens Deutsche Bahn, der mit seinem Brief Unterstützer gegen eine von den Eigentümern seines Unternehmens getroffene Entscheidung sammle.