Ausstellung „Jüdische Häftlinge im KZ Sachsenhausen 1936-1945″
Verfasst von antiquar am 7.4.2008
Im Roten Rathaus wird am 7. April um 17 Uhr eine Ausstellung über das Schicksal der jüdischen Häftlinge im „Konzentrationslager der Reichshauptstadt“ eröffnet. Es sprechen ab 17 Uhr der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch und die Chefin der Senatskanzlei, Staatssekretärin Barbara Kisseler. Danach ist die Ausstellung, die aus Dokumenten, Zeichnungen und Texten besteht, im Eingangsbereich des Roten Rathauses Montags bis Freitags von 9 Uhr bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen.
Nachdem in den ersten Jahren der Konzentrationslager kleine, provisorische Lager ausreichten mußte man später aufgrund steigender Häftlingszahlen neue Wege gehen. Es wurden weitere Lager errichtet, darunter das KZ Sachsenhausen. Häftlinge der Emslandlager errichtet es ab Sommer 1936. Laut Polizeichef Heinrich Himmler sollte es den Prototyp eines „modernen, vollkommen neuzeitlichen und jederzeit erweiterungsfähigen Konzentrationslagers“ darstellen. Durch seine Konzeption als Musterlager und Ausbildungsstätte für Wachpersonal sowie seine Nähe zur Reichshauptstadt Berlin hatte es eine Sonderrolle. Zu jener Zeit waren nicht mehr ausschließlich politische Gegner inhaftiert, auch sogenannte Asoziale, Arbeitsscheue, rassisch und biologisch Minderwertige sowie Kriminelle wurden in Lager verbracht. Später kamen ausländische Zwangsarbeiter und Alliierte Kriegsgefangene hinzu, so dass sich zum einen die Häftlingsstruktur ständig wandelte, zum anderen die Gefangenenzahlen immer weiter anstiegen.
Von den insgesamt ca. 200.000 Häftlingen des KZ Sachsenhausen waren etwa 30.000 jüdischen Glaubens. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 kamen zunächst nach unterschiedlichen Angaben 6.000 bis 10.000 jüdische Bürger nach Sachsenhausen. Von denjenigen die, bis dahin überlebten wurden die meisten im August 1939 entlassen – sofern sie zur Auswanderung bereit waren, sich diese leisten konnten und ihren Besitz dem Staat überschrieben. Ab Kriegsbeginn wurden Zivilisten aus den besetzten Gebieten interniert, später Kriegsgefangene, darunter auch viele Juden. Die meisten jüdischen Häftlinge wurden 1942 nach Auschwitz deportiert. Ausnahmen bildeten Sonderkommandos wie die nur mit Juden betriebene Fälscherwerkstatt, die im Rahmen der Aktion Bernhard englische Banknoten im Nennwert einiger Milliarden Pfund fälschte. Im Frühjahr 1945 gelangten mit der Auflösung der Arbeits- und Vernichtungslager im Osten wieder Tausende von Juden in das KZ Sachsenhausen, welches selbst schon zur Räumung vorbereitet wurde.
Zuerst waren Hunger, Kälte und Krankheit neben Mißhandlungen die Haupttodesursachen. Später starben immer mehr Menschen durch Zwangsarbeit in Sachsenhausen und seinen Außenlagern. Es folgten systematische Massentötungen, durch Erschießung und Einsatz von Gaswagen sowie einer Gaskammer. Daneben wurden medizinische Experimente durchgeführt, die meist tödlich endeten. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs räumte man das Lager und zwang die Lagerinsassen zum Marsch nach Nordwesten, in ein Waldgebiet nahe Wittstock. Dabei starben noch zahlreiche Häftlinge durch Entkräftung oder wurden erschossen, bis ihre Bewacher schließlich vor der herannahenden Roten Armee flüchteten. Von den zurückgelassenen marschunfähigen Insassen starben in den Wochen danach noch mehrere Hundert an den Folgen der KZ-Haft.
Das ehemalige KZ Sachsenhausen diente kurzzeitig als Übergangslazarett für Kriegsopfer und ehemalige Gefangene. Danach zog der sowjetische Geheimdienst NKWD mit dem Speziallager 7 ein. Nachdem dieses 1950 aufgelöst wurde, nutzte die Kasernierte Volkspolizei das Gelände. Im April 1961 kamen 100.000 Gäste zur Eröffnung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen , die seit 1993 als Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ist.