Der Olympische Fackellauf stolpert wie schon 1936
Verfasst von antiquar am 26.4.2008
Derzeit wird die Olympische Fackel durch die Welt getragen, und wo sie erscheint jubeln die Massen. Bis auf einige wenige unverbesserliche, die den Olympischen Geist mit Füßen treten und auch schon mal die Flamme löschen. So wird es zumindest von Seiten der chinesischen Ausrichter der Spiele dargestellt. Doch die Proteste gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tibet sind vielschichtig. Auch vom IOC und der Weltpolitik kommen deutliche Unmutsäußerungen, hat man doch geglaubt es gäbe Spiele des himmlischen Friedens. Nun ist das Regime ein wenig zurückgerudert, zeigt sich dialogbereit.
Rückblende: Die Weimarer Republik und Olympia
Das Deutsche Reich war bis 1925 als Kriegsverursacher aus der olympischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Mit der Wiederaufnahme in das Internationale Olympische Komitee (IOC) begann der Deutsche Olympische Ausschuß - der Vorläufer des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) - Olympische Spiele in Berlin zu planen. Anläßlich des “IX. Olympischen Kongresses” in Berlin 1930 bewarb sich das Deutsche Reich um die Ausrichtung der Spiele von 1936. Ein Jahr später kam es, nachdem andere Bewerber ausgeschieden waren, zur Stichwahl zwischen Barcelona und Berlin. Die Mitglieder des IOC stimmten mit großer Mehrheit für Berlin, Olympische Spiele im demokratischen Deutschland der Weimarer Republik schienen möglich.
Propaganda und Boykott - die Nazi-Spiele
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gab es insbesondere aus den USA erste Boykottaufrufe. Es bestanden erhebliche Zweifel an der Einhaltung der olympischen Charta, die Diskriminierung und Verfolgung von Juden und politisch andersdenkenden war international durchaus bekannt. Die Proteste führten dazu, dass das Regime ein wenig zurückruderte, sich dialogbereit zeigte. Zugeständnisse, wie zum Beispiel der Zugang zu den Olympiamannschaften auch für Juden, wurden jedoch nicht umgesetzt. Offiziell hielt man die Vereinbarungen mit dem IOC ein, jedoch nahm man Juden die Trainingsmöglichkeiten und verbot ihre Wettkämpfe, so dass sie die Qualifikationsnormen nicht erreichen konnten. Im September 1935 wurden die Nürnberger Rassegesetze verabschiedet, die Aufrufe zum Boykott wurden lauter. In den USA verhinderte Avery Brundage, Vorsitzender des US-amerikanischen NOK und IOC-Mitglied diese Maßnahme, worauf sich andere Staaten dieser Haltung anschlossen. Widerstand in Europa, wie die Volksolympiade in Barcelona sowie antifaschistische Kunst- und Kultur blieben gegenüber den Aktivitäten des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels chancenlos. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda nutzte etablierte wie neue Medien; Presse, Film und Funk waren längst gleichgeschaltet. Der Volksempfänger, die “Goebbelsschnauze”, war ein für relativ wenig Geld erhältliches Radio.
Der Olympische Fackellauf
Propagandaminister Goebbels griff eine Idee Carl Diems auf, eine Fackel von Olympia nach Berlin tragen zu lassen. Mehr als 3.000 Läufer bildeten eine Stafette, für die über 3.000 km lange Strecke durch sieben Länder benötigten die Läufer zwölf Tage und elf Nächte. Dies war der erste Olympische Fackellauf, und bei den weiteren Olympischen Spielen hat man das nationalsozialistische Propagandaspektakel beibehalten. Dabei gab es immer wieder Proteste: Bei der Premiere versuchten in Griechenland Kommunisten die Flamme zu löschen, in Jugoslawien und der Tschechoslowakei gab es Tumulte, in Prag schließlich wurde die Flamme gelöscht. Immer wieder wurden Fackelläufe behindert, doch erst in diesen Tagen erreichen öffentliche Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen des Ausrichters die Dimension von 1936.
Die olympische Fassade
Am 1. August 1936 erreichten die Träger der Olympischen Fackel das Berliner Olympiastadion, wo Adolf Hitler die XI. Olympischen Spiele für eröffnet erklärte. Die Machthaber verfolgten mit der Ausrichtung der Spiele verschiedene Ziele. Innenpolitisch pries Propagandaminister Goebbels die Spiele als nationale Aufgabe, in die jeder Deutsche eingebunden werden sollte. Die Errichtung der Infrastruktur diente dem Abbau der immer noch hohen Arbeitslosigkeit. Der Fremdenverkehr spielte eine ebenso große Rolle. Das Hauptanliegen war jedoch ein Außenpolitisches: Hitler wollte die Welt davon überzeugen, dass die Deutschen ein großes, bedeutendes, aber auch friedliebendes und weltoffenes Volk seien. Dazu wurde die Bevölkerung Wochen vor den Spielen zu höflichem Verhalten gegenüber den ausländischen Gästen aufgefordert; Straßen, Plätze und Häuser schmückte man festlich. Antisemitische Plakate verschwanden für die Dauer der Spiele, und der Presse wurde die sonst übliche Hetze gegen Juden bei Strafe veboten. Gleichzeitig brachte man in der Stadt lebende Sinti und Roma in Sammellager am Stadtrand, und das KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin wurde von Häftlingen gebaut. Die gleichgeschalteten Medien benutzte das Regime zur perfekten Selbstdarstellung, trotz aller Mahnungen des IOC. Dass die Olympischen Spiele von Berlin im Ausland als Spiele des Friedens und der Völkerverständigung wahrgenommen wurden lag jedoch nur zum Teil an der perfekten Öffentlichkeitsarbeit. Damals sah man im Ausland nur zu gerne das, was man sehen sollte und auch sehen wollte.
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